Nathan Schmid ist Schweizermeister der Zimmerleute

Wie er sich vorbereitet und die SwissSkills Championships erlebt hat, erzählt er hier.

Lieber Nathan

Zuallererst – herzlichen Glückwunsch zu deinem Schweizermeistertitel.

Was hat dich motiviert, an den SwissSkills Championships 2020 mitzumachen?

Nathan: Dieser Wunsch erwachte in mir schon früh während meiner Ausbildung. Der Gedanke, mein Können im Wettkampf mit anderen Lernenden auf den Prüfstand zu stellen, hat mich gereizt.

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Wie hast du dich vorbereitet?

Aufgrund der Coronasituation war vieles anders als sonst üblich. Vorgängige Trainings waren nicht möglich. An deren Stelle bekamen wir vorab Übungsaufgaben zugesandt und konnten in vorgegebenen Zeitslots Fragen stellen. Das war hilfreich, gleichwohl wusste ich beim Üben nicht so genau, wie viel es braucht und ob es reicht. In mir entwickelte sich ein Spannungsfeld zwischen „Ich packe es“ und „Ich packe es nicht“.

Gleichwohl hast du an der Teilnahme festgehalten. Hatte die Künzi + Knutti AG ebenfalls Einfluss auf deinen Durchhaltewillen?

Definitiv. Das ganze Team war mir ein grosser Antrieb. Zudem musste ich mir nie überlegen, welche Ressourcen wie Zeit und Material ich wann, wo und wie benutzen durfte. Alles wurde mir im benötigten Mass zur Verfügung gestellt. Beim Üben standen mir meine Ausbilder tatkräftig zur Seite und für moralischen Support sorgten viele aufmunternde Lächeln und ein Schulterklopfen im richtigen Moment.

Und dann war der Wettkampf da. Mit allem, was dazu gehört. Welches waren deine grössten Herausforderungen?

Wir standen unter enormem Zeitdruck. Innerhalb von 22 Stunden Wettkampfzeit mussten wir ein Modell mit drei Modulen erarbeiten. Diese bestanden aus einer Riegelwand, einem komplexen Dachstuhl und einer integrierten Sitzbank. Wer der Fachjury die meisten Punkte entlocken konnte, hatte die Nase vorn. Zusätzliche Punkte gab‘s in der Kategorie «Power-Zimmermann». In dieser mussten wir innerhalb einer Stunde eine Holzverbindung bauen. Beziehungsweise war das Zeitfenster vom Schnellsten abhängig. Sobald die erste Holzverbindung den Experten vorlag, blieben den anderen nur noch 15 Minuten Zeit. Schliesslich wurde Schweizermeister, wer der Gesamtzahl von 100 Punkten am nächsten kam.

Nathan Schmid gibt gaas an den Swiss Skills im Oktober 2020 in Sion
Nathan Schmid gibt gaas an den Swiss Skills im Oktober 2020 in Sion


Gab es einen magischen Moment für dich?

Ja, tatsächlich, und zwar am zweiten Tag. Ich kam in Schuss und merkte gefühlsmässig wie auch in Gesprächen mit den anderen, dass ich gut drin war. Das war sehr erleichternd und bestätigte mir das viele Üben im Vorfeld. Wobei ich damals noch nicht dachte, dass es für den Sieg reichen würde.

Die SwissSkills 2020 sollten eigentlich als Grossanlass in Bern stattfinden, was pandemiebedingt nicht möglich war. Ein Wermutstropfen?

Ein bisschen schon. Auf die SwissSkills als Event hatte ich mich schon gefreut. Die Organisatoren haben jedoch alles gegeben und die Feier zum Abschluss war zwar klein, aber des Ereignisses würdig.

Mit dem Sieg der SwissSkills Championships hast du dich nun auch für das Nationalteam der Zimmerleute qualifiziert. Ist die Teilnahme an der EM dein nächstes Ziel?

Unbedingt. Auch wenn das erneut viel Üben erfordert. Aber die Woche an den Swissskills hat mir gezeigt, wie viel Spass mir das Wettkampffeeling macht. Und wie spannend es ist, neue Leute kennenzulernen, die wie ich für ihren Beruf brennen.

Im Juni stehen deine Lehrabschlussprüfungen an. Kannst du deine Erfahrungen an den Swisskills dafür auch nutzen?

Für ein Fach bringt es mir sehr viel, für dieses muss ich nun weniger üben für die Lehrabschlussprüfungen. Zudem kann ich die Prüfungen nun auch sonst gelassener angehen, denn ich weiss, dass ich Vollgas geben kann, wenn es darauf ankommt.

Ja, das hast du bewiesen. Nathan, vielen Dank für das Gespräch und gutes Gelingen für deine Lehrabschlussprüfungen.